Sprachreform

Es seien Bestrebungen im Gange, alle deutschen Verben mit starker Konjugation auf schwache umzustellen, damit die Sprache leichter zu erlernen sei und die armen, ach so gestreßten Schüler sich nicht mehr so viel zu merken hätten, so leste ich neulich in einem Beitrag. Als ich dies erfahrte, verschlagte es mir zuerst die Sprache. Aber als ich genauer darüber nachdenkte, erschließte sich mir die Begründung, da ich annehmte, daß man damit den Kindern wirklich etwas Gutes tute. Als ich vernehmte, daß sich das Konzept bereits in einer Phase befindete, die gedruckte Erzeugnisse mit einschließte, erschreckte ich aber doch. Ob man da nicht über's Ziel hinausschießte? Ich beschließte, das Buch zu kaufen und fahrte zu einer Buchhandlung. Auf meine Frage nach dem Buch erhaltete ich die Auskunft, es sei vergreiftet. "Hier liegte es vor ein paar Minuten noch, leider gehte das letzte Exemplar gerade weg, bevor Sie hereinkommten", sprechte die Verkäuferin. Also laufte ich wieder nach Hause. Ein Freund, den ich unterwegs treffte und dem ich mein Erlebnis beschreibte, rufte: "O weh! Bringte uns die letzte Reform nicht schon genug Schwachsinn, den ich kaum aushaltete, so daß ich vor Lachen auf dem Boden liegte und in den Teppich beißte?" Was man, wie er mir beibringte, auf Neudeutsch rotflbtc nennte. Als ich wieder daheim sitzte und fernsehte, vernehmte ich die Nachricht, daß es wahrscheinlich zu keiner Neuauflage des Buches kommte. Da - jedenfalls vorläufig - diese Idiotie an uns vorübergegeht war, befindete ich, das sei ein Grund zum Feiern. Also trinkte ich einen Schnaps und scheißte auf die schwache Konjugation. Danach ging es mir wieder besser und ich soff die ganze Flasche leer.

P.S.: Als ich dies einem meiner Freunde - einem Deutsch-Professor - zeigte, meinte er nur achselzuckend: "Das finde ich gar nicht lustig, so schreiben die Schüler heutzutage tatsächlich." Tja, weit haben wir's gebracht - äh - gebringtet.



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