Impressionen auf Europas Straßen

 mpeln können vor, neben, über oder hinter einer Kreuzung angebracht sein, manchmal sogar mitten in einer Fußgängerzone ganz ohne Kreuzung. In der Schweiz gibt es sie sogar waagrecht! Das einzige, was unglaublicherweise in allen Ländern die gleiche Bedeutung hat, sind die Farben. Nun ja, nicht ganz. In Frankreich darf man bei Rot z.B. nach rechts abbiegen, in Deutschland mußte ich dafür 30 DM Strafe bezahlen.

Wer ein bißchen in Europa herumgekommen ist, wird diese Ampeln unschwer den einzelnen Ländern zuordnen können.


 erkehrszeichen alleine sind oft nicht aussagekräftig genug, daher hat ein kluger Kopf vor langer Zeit die Zusatztafel erfunden, die (natürlich in der jeweiligen Landessprache verfaßt) zum Beispiel so aussieht wie nebenstehende Abbildung. Ein Ausländer, der vor dieser Tafel hält, um im Wörterbuch nachzuschlagen, ob er jetzt hier stehenbleiben darf oder nicht, macht sich jedoch bereits strafbar, wenn er dies zufällig an einem ungeraden Tag in einem Monat von X - III tut. Daß er es außerhalb der Zeitspanne von 0 bis 24 Uhr tut, erachte ich für unwahrscheinlich.

Was man mit einem einfachen Zeichen wie "Allgemeine Gefahr" alles anstellen kann, würde ein Buch füllen. Hier ein paar Beispiele:

Kaum zu glauben! Da kann man nur hoffen, daß sie nicht auf die Fahrbahn hüpfen. Biertransporte sind wohl ganz besonders gefährlich. Dafür gäbe es ein eigenes Zeichen, meinen Sie? Na, wenn schon.

Auch andere Verkehrszeichen geben manchmal zum Staunen oder zum Schmunzeln Anlaß:

Wohin denn sonst? Sechzig Fünfzigstel? Parkplatz für Kirchen? Wer möchte dort schon wohnen? No na.
F CH I D A


 änderweise unterschiedlich werden Führerscheine nach Kategorien, Gruppen, Klassen oder sonst irgendwelchen Kriterien eingeteilt, die allesamt ziemlich willkürlich anmuten. Wer z.B. in Österreich einen Führerschein der Gruppe B besitzt, tut gut daran, sich ein Weilchen in Deutschland anzumelden. Gegen eine geringe Gebühr kann man sich dort den österreichischen Gruppe-B-Führerschein auf einen deutschen der Klasse 2 umschreiben lassen. Und mit dem darf man plötzlich statt der maximal 3.5 Tonnen schweren Fahrzeuge solche mit bis zu 7.5 Tonnen Gewicht lenken. Dazu noch etwas ganz Feines: Wenn der österreichische Führerschein etwa befristet war, fällt diese Beschränkung weg, denn befristete Führerscheine gibt es in Deutschland nicht; entweder man hat ihn oder man hat ihn nicht!


 esetze, Gesetzesnovellen, Verordnungen, Verbote, Einschränkungen, wohin man blickt. Und täglich kommen neue hinzu. Sollten Sie das Pech haben, in einen Unfall verwickelt zu sein und vor Gericht zu stehen, dann wird Ihnen ein Gremium aus Richtern, Anwälten und Sachverständigen nach wochenlangen Beratungen mitteilen, wie Sie sich in der fraglichen Zehntelsekunde hätten verhalten sollen. Und dann werden Sie schuldig gesprochen.


 n Deutschland ist, zumindest in den Städten, an nahezu jeder Haus- oder Grundstückseinfahrt eine Tafel "Feuerwehrzufahrt" angebracht, ganz so, als würde es dort jeden Tag brennen. Tatsache ist jedoch, daß es in Deutschland genau so häufig oder genau so selten brennt wie in irgendeinem anderen Land, das ohne diese Tafeln auskommt. In all den vielen Jahren, in denen ich in einer der deutschen Großstädte wohnte, habe ich nur ein einziges Mal einen größeren Brand erlebt. Aber trotz aller Tafeln konnte die Feuerwehr nicht verhindern, daß das Haus total ausbrannte.

 um ersten Mal auf einer Autobahn in England unterwegs, bemerkte ich vor jeder Ausfahrt eine Tafel, auf der so etwas wie eine Spinne zu sehen war, möglicherweise mit ein paar amputierten Beinen. Ich hielt dies für irgendeine Reklame, bis mir auffiel, daß die Spinne jedesmal ein wenig anders aussah. Schlagartig wurde mir klar, daß das gar keine Spinne darstellen sondern einen Kreisverkehr mit den zugehörigen Straßen symbolisieren sollte.

 enn ein Uniformierter mit einer roten Laterne winkt, heißt das im allgemeinen "Halt". Das ist auch in der Schweiz so, aber mit einem feinen Unterschied: Ist der Laternenschwenker ein Bahnbediensteter an einem Eisenbahnübergang, dann bedeutet es "Halt" wie überall sonst auch, ist es jedoch ein Polizist, so meint er damit "Weiterfahren".

 agatellschäden an Kraftfahrzeugen sind in Frankreich nicht versichert. Als ich einmal einen Pastis schlürfend in Paris im Café de la Paix saß, an dem, wie ein Sprichwort sagt, die ganze Welt vorüberkommt, wenn man lange genug wartet, zählte ich zum Zeitvertreib die vorüberfahrenden Autos, die keinen erkennbaren Schaden aufwiesen. Das Ergebnis nach einer Stunde: Null.

 leine und kleinste Länder sind oft für Touristen sehr interessant. Obwohl landschaftlich sehr reizvoll, kommen die meisten Fremden nicht der Naturschönheiten wegen nach Andorra. Der ganze Staat ist nämlich eine einzige Zollfreizone. Als ich an einer Tankstelle hielt, fragte mich der Tankwart nicht etwa nach meinen Wünschen bezüglich Treibstoff oder Öl, sondern welchen Whisky ich haben wolle. Ja, noch die klitzekleinste Tankstelle hat ein Sortiment von mindestens 40 verschiedenen Whiskysorten!

 chußwaffen oder Munition nach Spanien einzuführen, ist strengstens untersagt. Als ein Zollbeamter an einer Grenzstelle das Handschuhfach öffnete, fiel mir viel zu spät ein, daß ich nach dem letzten Schießwettbewerb vergessen hatte, die Munition aus dem Auto zu nehmen. Der Beamte nahm eine Schachtel mit 50 Patronen Kaliber .357 Magnum heraus, besah sie sich genau, legte sie wieder zurück und bedeutete mir, ich könne weiterfahren. Bis heute ist mir nicht klar, welchem Umstand ich das zu verdanken habe.

 arkplatzprobleme gibt es sicher überall. Aber können Sie sich einen ganzen europäischen Staat ohne einen einzigen freien Parkplatz vorstellen? So ging es mir einmal in Monaco. Mir blieb nichts anderes übrig, als das Land zu verlassen, obwohl ich mich gerne ein wenig umgesehen hätte; aber ich konnte meinen Wagen einfach nirgends parken!

 upen gehört in Italien genauso zum Autofahren wie Gas geben oder bremsen. Gehupt wird aus den unterschiedlichsten Gründen: zum Beispiel, um einem anderen Verkehrsteilnehmer zu sagen, daß er stehen bleiben soll, oder daß er weiterfahren soll, oder daß er sich falsch verhalten hat, oder daß er sich richtig verhalten hat, oder einfach nur um zu testen, ob die Hupe noch funktioniert. Nach vielen tausend Kilometern auf italienischen Straßen und eingehendem Studium der Hupgewohnheiten kann ich die Ansicht mancher Leute, die meinen, aus der Art des Hupens (zweimal lang oder dreimal kurz oder sonstwie) erkennen zu können, was der Fahrer meint, nicht teilen. Vielmehr bin ich der Meinung, daß man nach einem ganz simplen Grundsatz verfährt (um wieder mal Descartes zu paraphrasieren): Ich fahre, also hupe ich.

 ie Fähre von Italien nach Korsika schlingerte in einem heftigen Sturm ziemlich stark, so daß mein Wagen an den vorderen anstieß und sich die Nummerntafel löste und herunterfiel. Ich warf sie ins Wageninnere und nahm mir vor, sie bei nächster Gelegenheit wieder zu montieren. Ich vergaß aber den Vorfall bald, und als mich eine motorisierte Verkehrsstreife aufhielt und einer der Polizisten fragte, wieso ich denn vorne kein Kennzeichen habe, erzählte ich den Sachverhalt wahrheitsgemäß. "Ach so, auf der Fähre", meinte er daraufhin, als würde jede andere Erklärung automatisch zu einem Strafmandat führen. Als ich dann noch einen Kanister mit französischem Rotwein und ein paar Gläser hervorholte, waren wir bald in ein anregendes Gespräch über das Land, das Wetter, die Politik und alles mögliche vertieft. Nach etwa einer Stunde verabschiedete ich mich und sie wünschten mir noch einen schönen Aufenthalt. Von der Nummerntafel war keine Rede mehr. So etwas möchte ich einmal in Österreich oder Deutschland erleben!

 berhöhte Geschwindigkeit macht sich in Jugoslawien nicht bezahlt. Als ich einmal von der Polizei deswegen angehalten wurde, erklärte einer der Beamten: "Kollege dich fotografieren mit Radar. Du schnell fahren, du missen zahlen". Auf meine Frage, wieviel denn das koste, antwortete er "Wir keine Unmenschen, fir dich finfzig Dinar". Unglücklicherweise war die kleinste Banknote, die ich bei mir hatte, ein Hundert-Dinar-Schein. Also nahm ihn der Polizist, um ihn wechseln zu lassen. Nach einer Viertelstunde kam er zu meinem Wagen zurück und erklärte, daß in der Nähe niemand dazu imstande sei. Also versuchte ich ihm klarzumachen, daß er die hundert Dinar behalten solle, meine Zeit sei mir wertvoller. "Nein, nein", sagte er, "du zahlen finfzig Dinar, du mir geben hundert Dinar, du zurickbekommen finfzig Dinar" und verschwand wieder. Nach einer weiteren halben Stunde händigte er mir freudestrahlend das Wechselgeld ein. Nachdem er noch umständlich einen Strafzettel ausgefüllt und mir noch einmal ausführlich erklärt hatte, "Wenn du schnell fahren, du missen zahlen, wenn du langsam fahren, du missen nix zahlen!", durfte ich dann endlich weiterfahren.

 n einer Mautstelle auf einer Autobahn in Griechenland bekam ich als Quittung für die bezahlte Gebühr ein paar bunte Zettelchen, die mir der Kassier an der nächsten Mautstelle wieder abnehmen wollte. Als ich ihn darum bat, sie behalten zu dürfen, wurde er ziemlich böse und maulte, daß ich ihn um seinen Verdienst brächte. Klar, die hätte er dem nächsten Autofahrer wieder verkaufen können. Nach einigem Feilschen willigte er schließlich ein, stempelte sie jedoch vorher ungültig.


 ollten Sie nun meinen, daß diese Ausführungen spaßhaft oder übertrieben gezeichnet sind, dann seien Sie dessen versichert: Das sind keine Ausgeburten meiner alkoholbeflügelten Phantasie, all diese Dinge habe ich wahrhaftig auf meinen vielen Reisen durch Europa erlebt.


 azit: Von einem vereinigten Europa sind wir weiter entfernt als vor 2000 Jahren. Damals sorgten die alten Römer für Einheitlichkeit auf europäischen Verkehrswegen. Teilweise befahren wir sogar noch heute von ihnen angelegte Straßen. Wie lange werden wohl die unseren halten?

© 2006 by G. Perterini, Wien


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