Spätherbst 1972. Ich schlendere durch die Wiener Innenstadt, trinke hier einen Kaffee, da ein Glas Bier, und komme irgendwie auf den Hof. Natürlich schaue ich als passionierter Pfeifenraucher in die Auslage von Ostermann. Da prangt eine Dunhill, die es mir sofort angetan hat, eine wunderschöne braune Pear. Die muß ich haben. Also gehe ich schnurstracks in das kleine Pfeifengeschäft, warte, bis der Kunde vor mir den Laden verläßt, begrüße die Inhaberin (wir kennen einander schon etliche Jahre) und sage: "Frau Doktor, die Pear...". Weiter komme ich gar nicht. Sofort macht sie sich an der Auslage zu schaffen und legt mir das gute Stück auf einem Präsentiertablett vor. Ich nehme sie vorsichtig hoch, natürlich ohne sie außen anzufassen (Finger in der Bohrung), drehe und wende sie: ja, perfekt, wie ja auch nicht anders zu erwarten. Ich brauche nur mit dem Kopf zu nicken, und schon wird sie mir fachmännisch und gut eingepackt. 1200 Schilling. Jetzt erst fällt mir ein, daß ich gar nicht so viel Geld bei mir habe. 200 Schilling kann ich Angabe geben, und die Frau Doktor möge so nett sein, mir die Pfeife zurückzulegen, bis ich den restlichen Betrag bringe. Aber davon will sie gar nichts wissen. Ich solle die Pfeife sofort mitnehmen, schließlich sei ich langjähriger Kunde, da gebe es doch keine Probleme. Das aber wiederum widerspricht meinen Geschäftsgepflogenheiten, ich bin für klare Verhältnisse. Also einigen wir uns darauf, daß ich das Geld im Laufe der nächsten ein oder zwei Wochen vorbeibringe, und die Pfeife bleibt im Laden.

Zu Hause erzähle ich meiner Mutter von dem Pfeifenkauf. Nachdem ich neben meinem Beruf auch noch den Haushalt führen muß (meine Mutter war damals schon fast blind), vergesse ich im Trubel der Vorweihnachtszeit allmählich auf die Dunhill. Erst beim Aufputzen des Christbaumes fällt mir wieder ein, daß ich doch versprochen hatte, die Pfeife abzuholen. Naja, nicht so schlimm, muß sie halt bis nach Weihnachten warten.

Bei der Bescherung fällt mir bei meinen Geschenken ein Päckchen ins Auge, das genau die Größe einer Pfeifenschachtel hat. Oje, denke ich, da will mir meine Mutter bestimmt eine besondere Freude machen und hat eine Pfeife gekauft, obwohl sie doch nichts davon versteht. Also werde ich eben einfach so tun, als ob ich mit dem Ding hoch zufrieden wäre, um ihr die gute Laune nicht zu verderben. Als ich das Päckchen öffne, lasse ich vor Schreck fast die Pfeife fallen. Das ist doch meine Dunhill, die eigentlich noch bei Ostermann liegen sollte! Also erzählt mir meine Mutter, daß sie mit Straßenbahn und Autobus zu Ostermann gefahren sei (und das, obwohl sie, wie schon gesagt, fast blind war) und die Inhaberin so lange beschwatzt hat, bis diese die Pfeife herausgerückt habe. Natürlich hat meine Mutter sie voll bezahlt. Als die Frau Doktor von der Blindheit meiner Mutter erfuhr, ließ sie es sich nicht nehmen, ein Taxi zu rufen, das meine Mutter nach Hause bringen sollte, und dieses auch noch zu bezahlen. So konnte ich also damals gleich am Heiligen Abend beginnen, meine neue Dunhill einzurauchen. Und bis heute ist sie immer noch meine Lieblingspfeife.

Danke, Mutter!



Form: Pear
Kopf: ROOT BRIAR
Markung: DUNHILL 909 F/T
Mundstück: leicht gebogen, Parakautschuk
Markenzeichen: weißer Punkt
Fertigungsjahr: 1972
Länge: 13,5 cm
Höhe: 4,5 cm
Durchmesser: 3,5 cm
Gewicht: 29 g
Füllvolumen: 6 ccm, für eine Größe 3 eigentlich sehr wenig



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