Ein Freund wollte mir eigentlich stolz seine neue Errungenschaft - eine Roland - präsentieren, statt dessen überreichte er mir traurigen Blickes die Pfeife, die sich nach kurzer Benutzung in ihre Bestandteile zerlegt hatte. Wir kamen überein, nicht die Gewährleistung des Herstellers in Anspruch zu nehmen, da die Hin- und Hersenderei von/nach Österreich/Deutschland zu umständlich sei, sondern daß ich das gute Stück wieder auf Vordermann bringen sollte. Selbstverständlich war ich damit einverstanden und versprach auch, die einzelnen Schritte der Reparatur zu dokumentieren.

Die beiden Screenshots sind von http://www.roland-briars.de/ vom 3.5.2008.



lenght?
heigh?
Naja, Englisch ist nicht jedermanns Sache. Aber wenn Herr Schwarz schon meint, die Beschreibung auf Englisch halten zu müssen (obwohl er in Deutschland beheimatet ist, und die TLD seiner Seite .de ist), dann sollte er auch die Maße in Zoll und das Gewicht in Unzen angeben, oder etwa nicht?



Leider läßt sich auf den - etwas sehr dunkel geratenen - Bildern nicht erkennen, ob die Hornapplikation schon im Auslieferungszustand nicht sauber verarbeitet war. Als Pfusch bezeichne ich aber jedenfalls, daß sie einfach stirnseitig mit dem Holm verklebt wurde. So etwas kann ja nicht lange halten, zumal der Mundstückszapfen größer als die Bohrung war und sich daher nur extrem schwer herausdrehen ließ. Natürlich ist das Ding sofort abgebrochen.







Also habe ich erst mal einen Dorn gedreht, damit ich die zwei Teile zentrisch zusammenstecken kann.



Ich kann das Ding drehen wie ich will, es paßt einfach nicht richtig, das Holz des Holmes steht überall ein wenig über. Daß der Hersteller dermaßen schlampig gearbeitet hat, kann ich einfach nicht glauben, schließlich besitze ich selbst eine hervorragend verarbeitete Pfeife von ihm. Irgendwie macht das Ganze den Eindruck, als sei das Horn nachträglich geschrumpft. Ist so etwas möglich? Jedenfalls würde das erklären, warum es sowohl außen wie innen um etwa 0,2 mm zu klein ist. Und bevor Sie jetzt dumme Sprüche klopfen: nein, zu heiß gewaschen hat mein Freund die Pfeife bestimmt nicht!



Nachdem ich das ziemlich filigrane Hornteilchen nicht aufbohren will, um nicht das Risiko eines Bruches einzugehen, habe ich beschlossen, es mittels zweier Stahlstiftchen im Holm zu verankern. Um die Bohrungen exakt durchführen zu können, habe ich erst einmal eine Bohrlehre gebaut:



Dann werden die Bohrungen in das Hornstück und in den Holm durchgeführt. Für die Stifte schneide ich einfach zwei 2-mm-Bohrer ab. Den Hochleistungsschnellstahl durch Hinein- oder Herausdrehen des Mundstücks zu verbiegen oder abzubrechen wird ja wohl niemand schaffen!



Jetzt wird das Stück wieder angeklebt



und der Mundstückszapfen leichtgängig gemacht.



Nun wird die "Stufe" weggeschliffen.



Damit die häßlichen Stiftlöcher nicht so auffallen, werden sie verkittet. (Den Kitt stelle ich aus Leim und Bruyèreholzfeilspänen selbst her.)



Anschließend wird gebeizt und poliert und gewachst.



Mission accomplished, wie man auf Neudeutsch zu sagen pflegt.



PS: Mein Freund schreibt dazu:

Hallo Günther,
WOW... da bleibt mir doch tatsächlich die Spucke weg. Also schnell noch ein Bier geöffnet und Deine Dokumentation genau gelesen. Da hast Du wirklich Außergewöhnliches geleistet, vielen Dank!



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