Der Phäake

Ich hab sonst nix, drum hab ich gern
ein gutes Papperl, liebe Herrn:
Zum Gabelfrühstück gönn ich mir
ein Tellerfleisch, ein Krügerl Bier,
schieb ab und an ein Gulasch ein,
(kann freilich auch ein Bruckfleisch sein),
ein saftiges Beinfleisch, nicht zu fett,
sonst hat man zu Mittag sein Gfrett.
Dann mach ich - es is eh nicht lang
mehr auf Mittag - mein' G'sundheitsgang,
geh übern Grabn, den Kohlmarkt raus,
ins Michaeler Bierwirtshaus.
Ein Hühnersupperl, tadellos,
ein Beefsteak in Madeirasauce,
ein Schweinspörkölt, ein Rehragout,
Omletts mit Champignon dazu,
hernach ein bisserl Kipfelkoch
und allenfalls ein Torterl noch,
zwei Seidel Göss - zum Trinken mag
ich nicht viel nehmen zu Mittag -
ein Flascherl Gumpolds, nicht zu kalt,
und drei, vier Glaserl Wermut halt.
Damit ich's recht verdauen kann,
zünd ich mir mein Trabukerl an
und lehn mich z'rück und schau in d' Höh,
bevor ich auf mein' Schwarzen geh.
Wann ich dann heimkomm, will ich Ruh,
weil ich ein Randerl schlafen tu,
damit ich mich, von zwei bis vier,
die Decken über, rekreier.
Zur Jausen geh ich in die Stadt
und schau, wer schöne Stelzen hat,
ein kaltes Ganserl, jung und frisch,
ein Alzerl Käs, ein Stückerl Fisch,
weil ich so früh am Nachmittag
nicht schon was Warmes essen mag.
Am Abend, muß ich Ihnen sagn,
eß ich gern leicht, wegn meinem Magn,
Hirn in Aspik, Kalbsfrikassee,
ein kleines Züngerl mit Püree,
Faschiertes hin und wieder wohl,
zum Selchfleisch Kraut, zum Rumpsteak Kohl,
erst später dann, beim Wein zur Not,
ein nett garniertes Butterbrot.
Glaubn S' nicht, ich könnt ein Fresser wern,
ich hab sonst nix, drum leb ich gern,
kein Haus, kein Auto, nicht einmal
ein G'wehr im Überrumplungsfall.
Wenn nicht das bissel Essen wär -

(Stimme des Volkes)
Segn S', deswegen ham S' nix, liaber Herr!


Josef Weinheber
(1892 - 1945)



Auch ich hab kein Auto und kein G'wehr,
von einem Haus red ich schon gar nicht mehr,
aber gutes Trinken und gutes Essen
läßt einen sowas schnell vergessen.

Als Vorspeis nehm ich von der Gans
Leberpastete in einem Kranz
von Wachteleiern auf Blattspinat,
damit auch das Auge was Schönes hat.
Drüber kommen aus dem Piemont
frische Trüffeln, so bin ich's gewohnt.
Ein Flascherl Sekt paßt da recht fein
(kann freilich auch Champagner sein),
dazu ein warmes Kräuterbaguette,
das ist für den Anfang schon recht nett.
Als Zwischengericht empfiehlt sich sodann
ein Zwiebelsüppchen mit Parmesan,
das leitet über zum Hauptgericht,
das durch Güte und Menge besticht.
Zum Beispiel ein Nierchen in Pilzrahmsauce
verfeinert mit etwas Calvados,
dazu Safranreis und Gurkensalat,
ich kann euch sagen: delikat!
Dazu gehört einfach ein schöner runder
liebevoll dekantierter Burgunder.
Palatschinken mit Schokolade und Nüssen
möchte ich zum Nachtisch nicht missen,
natürlich mit viel Schlagobers drauf,
das möbelt einen so richtig auf,
so daß die Käseplatte hinterher
von acht bis zehn Sorten ist nicht zu schwer.
Zur bessern Verdauung gönn ich mir dann
noch ein paar Stamperl Gin oder Enzian
und rauche in genüßlicher Ruh
satt und zufrieden ein Pfeifchen dazu.



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